In Teil 3 hast Du Dich mit der Wahl der Zentrale beschäftigt. Jetzt geht es um die Verbindung zwischen Zentrale und Geräten: die Funkstandards. Sie entscheiden darüber, wie zuverlässig ein Signal ankommt, wie lange Batterien halten und welche Geräte zusammenpassen.
Früher galt die Faustregel: Ein Hersteller, ein Funk, eine App. Heute ist das deutlich offener. Trotzdem lohnt es sich, die Unterschiede zu kennen – sonst steht am Ende ein Gerät da, das Deine Zentrale schlicht nicht versteht.
Drei Begriffe, die Du kennen solltest
- Frequenzband: Geräte im 2,4-GHz-Band teilen sich den Bereich mit WLAN und Bluetooth. Geräte im Sub-GHz-Bereich (in Europa um 868 MHz) haben dort weniger Konkurrenz und durchdringen Wände meist besser.
- Maschennetz (Mesh): Netzbetriebene Geräte leiten Signale anderer Geräte weiter. Je mehr solcher Geräte, desto stabiler das Netz.
- Brücke oder Border Router: ein Gerät, das ein Funknetz mit Deinem Heimnetz verbindet, zum Beispiel ein USB-Stick an der Zentrale oder ein Access Point.
Zigbee
Zigbee ist ein weit verbreiteter, energiesparender Funkstandard im 2,4-GHz-Band, betreut von der Connectivity Standards Alliance (CSA). Viele Leuchtmittel, Schalter und Sensoren nutzen ihn.
Stärken: große Geräteauswahl vieler Hersteller, lange Batterielaufzeiten, Maschennetz. Home Assistant bindet Zigbee über die Integration ZHA und einen Adapter wie den Connect ZBT-2 ein.
Grenzen: Das 2,4-GHz-Band teilt sich Zigbee mit WLAN. Home Assistant empfiehlt deshalb, den Adapter per abgeschirmtem USB-Verlängerungskabel an einen USB-2.0-Port zu hängen, Abstand zu WLAN-Access-Points zu halten und bei Störungen zuerst einen festen WLAN-Kanal am Router einzustellen. Außerdem sollten Router-Geräte wie Zigbee-Leuchtmittel nicht ständig stromlos geschaltet werden, sonst bricht das Maschennetz ein.
Mein Tipp: Starte mit netzbetriebenen Geräten wie Steckdosen oder Leuchtmitteln und lerne batteriebetriebene Sensoren erst danach an – und zwar direkt am späteren Einsatzort. So empfiehlt es auch die Home-Assistant-Dokumentation.
Z-Wave
Z-Wave funkt im Sub-GHz-Bereich und ist ebenfalls ein Maschennetz. Hinter dem Standard steht die Z-Wave Alliance, die Geräte zertifiziert.
Stärken: weniger Störungen durch WLAN, gute Interoperabilität zertifizierter Geräte, moderne Verschlüsselung mit „Security S2“. Mit Z-Wave Long Range gibt es zusätzlich eine Sterntopologie mit großer Reichweite und bis zu 4000 Geräten pro Netz statt 232 im klassischen Z-Wave.
Grenzen: Die Frequenzen unterscheiden sich je nach Region. Home Assistant weist darauf hin, dass sich die Frequenz bei Endgeräten nicht ändern lässt – kauf also unbedingt Geräte für den europäischen Markt. Die Auswahl in Europa ist kleiner als die von Zigbee- oder WLAN-Geräten.
Für Einsteiger empfiehlt Home Assistant einen Adapter der 800er-Serie mit aktueller Firmware, etwa den Connect ZWA-2. Long Range wird nur genutzt, wenn Region, Adapter und Gerät das unterstützen. Sichere Dir die Netzwerkschlüssel an einem sicheren Ort – ohne sie ist eine Wiederherstellung schwierig.
Thread und Matter
Thread: das Funknetz
Thread ist ein energiesparendes, IP-basiertes Maschennetz im 2,4-GHz-Band. Wichtig zu verstehen: Thread allein steuert nichts. Es transportiert nur die Daten – die eigentliche Steuerung übernimmt Matter (oder Apple HomeKit).
Um ein Thread-Netz mit Deinem Heimnetz zu verbinden, brauchst Du einen Thread-Border-Router. Das kann ein Gerät eines großen Anbieters sein (etwa HomePod mini, Apple TV 4K oder Nest Hub der 2. Generation) oder Home Assistant mit einem Adapter wie dem Connect ZBT-2. Ein Thread-Netz darf mehrere Border Router haben, was die Ausfallsicherheit erhöht.
Die Krux: Bisher baut oft jeder Hersteller sein eigenes Thread-Netz auf. Geräte können dann nicht zwischen den Netzen wechseln. Thread 1.4 (September 2024) soll das mit einem standardisierten Austausch der Zugangsdaten zwischen Border Routern verbessern. Home Assistant kann Zugangsdaten bereits über die Companion-App übernehmen, beschreibt diese Funktion aber selbst noch als unvollständig.
Matter: die gemeinsame Sprache
Matter ist ein herstellerübergreifender Standard der CSA. Ein Matter-Gerät soll mit allen Matter-fähigen Zentralen funktionieren – egal ob Home Assistant, Apple Home, Google Home oder Amazon Alexa. Matter läuft über WLAN und Thread; zum Einrichten wird Bluetooth Low Energy genutzt.
Die aktuelle Hauptversion ist Matter 1.5 (veröffentlicht am 20.11.2025). Sie hat unter anderem Kameras, ein einheitliches Modell für Rollläden, Tore und Garagentore („Closures“), Bodenfeuchtesensoren und neue Funktionen fürs Energiemanagement eingeführt. Ob ein Gerätetyp tatsächlich nutzbar ist, hängt aber davon ab, ob Deine Zentrale die jeweilige Version und den Gerätetyp schon unterstützt.
Grenzen, die Du kennen solltest (Stand Home-Assistant-Dokumentation 10/2026):
- Matter braucht lokales IPv6 und Multicast im Heimnetz (siehe Teil 2).
- Über Matter-Bridges sind nicht immer alle Geräte eines Herstellers verfügbar.
- Eine native Integration kann mehr Funktionen bieten als der Matter-Weg. Home Assistant nennt Philips Hue als Beispiel.
- Home Assistant kann Matter-Geräte steuern, macht aber vorhandene Geräte nicht selbst zu Matter-Geräten.
Homematic IP (HmIP)
Homematic IP ist das eigene Funkprotokoll von eQ-3. Laut Herstellervergleich funken die Zentralen im 868-MHz-Bereich (868,0–868,6 MHz und 869,4–869,65 MHz) mit einer typischen Freifeldreichweite von 400 Metern. Über „Advanced Routing“ lassen sich weitere Access Points zur Reichweitenverlängerung einbinden.
Stärken: sehr ausgereift bei Heizung, Fenster- und Türkontakten sowie Unterputz-Aktoren, wenig Störungen durch WLAN, ein aufeinander abgestimmtes Sortiment. Mit Homematic IP Wired gibt es zudem eine kabelgebundene Variante für Neubau und Sanierung.
Grenzen: Es ist ein geschlossenes System eines Herstellers. Welche Zentrale was kann und wie sich Homematic IP mit Home Assistant verbinden lässt, hast Du in Teil 3 gesehen. Außerdem gibt es im 868-MHz-Band eine regulatorische Begrenzung der Sendezeit (Duty Cycle). Wer sehr viele Befehle in kurzer Zeit sendet, kann diese Grenze erreichen – Home Assistant zeigt den Wert bei Homematic IP als eigenen Sensor an.
WLAN
WLAN-Geräte verbinden sich direkt mit Deinem Router. Du brauchst keinen extra Funk-Stick.
Stärken: überall vorhanden, hohe Datenraten (wichtig für Kameras), große Auswahl, oft günstig.
Grenzen: WLAN braucht viel Energie und eignet sich daher vor allem für Geräte mit Netzstrom. Jedes Gerät belegt einen Platz in Deinem Netz, und viele günstige Geräte funktionieren nur über die Cloud des Herstellers. Achte auf Geräte, die sich lokal steuern lassen, und denk an die Empfehlungen zum Gäste-WLAN aus Teil 2.
Bluetooth
Bluetooth Low Energy (BLE) steckt in vielen Sensoren, Thermometern und Schlössern – und es wird bei Matter zur Ersteinrichtung genutzt.
Stärken: sehr sparsam, in fast jedem Smartphone und Rechner vorhanden.
Grenzen: kurze Reichweite. Home Assistant unterstützt nur Bluetooth Low Energy, nicht das klassische Bluetooth. Für größere Wohnungen empfiehlt die Dokumentation sogenannte Bluetooth-Proxys: kleine ESP32-Geräte mit ESPHome, die Bluetooth-Signale per WLAN oder Kabel an die Zentrale weiterreichen.
Alle Standards im Überblick
| Standard | Band (Europa) | Netz | Stromverbrauch | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Zigbee | 2,4 GHz | Mesh | gering | Licht, Schalter, Sensoren |
| Z-Wave | Sub-GHz (um 868 MHz) | Mesh, Long Range als Stern | gering | Aktoren, Sensoren, Schlösser |
| Thread (+ Matter) | 2,4 GHz | Mesh (IP-basiert) | gering | neue herstellerübergreifende Geräte |
| Homematic IP | 868/869 MHz | Funk mit Routing über Access Points | gering | Heizung, Fenster, Unterputz |
| WLAN (+ Matter) | 2,4/5 GHz | Stern über Router | hoch | Steckdosen, Kameras, Großgeräte |
| Bluetooth LE | 2,4 GHz | Punkt zu Punkt, Proxys | sehr gering | Sensoren, Einrichtung |
Entscheidungshilfe: Welcher Funk für welchen Zweck?
- Heizung und Fenster: Homematic IP, Zigbee oder Thread/Matter – wichtig sind lange Batterielaufzeiten und zuverlässige Reichweite.
- Licht: Zigbee oder Thread/Matter; Unterputz-Aktoren auch über Homematic IP oder Z-Wave.
- Keller, Garage, dicke Wände: Sub-GHz-Standards wie Homematic IP oder Z-Wave sind hier oft im Vorteil.
- Kameras: WLAN oder Kabel, wegen der hohen Datenmengen.
- Herstellerunabhängig für die Zukunft: Matter über Thread oder WLAN – sofern Deine Zentrale den Gerätetyp unterstützt.
Mein Rat: Beschränke Dich am Anfang auf einen, höchstens zwei Funkstandards. Jeder weitere Standard bedeutet einen weiteren Adapter, ein weiteres Netz und mehr Pflege.
Checkliste: Deine Funkstandards
- Ich habe für jedes geplante Gerät den Funkstandard notiert.
- Meine Zentrale unterstützt diese Standards (direkt oder mit Adapter).
- Ich habe mich für einen Hauptstandard entschieden und höchstens einen zweiten ergänzt.
- Z-Wave-Geräte kaufe ich nur in der europäischen Frequenzversion.
- Für Zigbee/Thread plane ich ein USB-Verlängerungskabel und Abstand zum WLAN-Router ein.
- Für Thread-Geräte habe ich einen Border Router und möglichst nur ein gemeinsames Thread-Netz.
- Bei Matter-Geräten prüfe ich vor dem Kauf, ob meine Zentrale den Gerätetyp unterstützt.
- Netzwerkschlüssel (z. B. für Z-Wave) habe ich sicher dokumentiert.
Wie geht es weiter?
Jetzt kennst Du die Grundlagen: Plan, Voraussetzungen, Zentrale und Funk. Im nächsten Teil wird es praktisch – wir richten Home Assistant ein: Teil 5: Home Assistant einrichten. Zurück zur Zentralenwahl geht es mit Teil 3. Und wenn Du Deinen persönlichen Weg durch Serie und Lernpfad suchst, hilft Dir der Konfigurator.

