Im ersten Teil des Lernpfads hast Du Deine Ziele festgelegt und ein Startprojekt ausgewählt. Bevor jetzt die erste Zentrale ins Haus kommt, lohnt sich ein Blick auf das, was schon da ist: Dein Heimnetz, Dein Router und Deine Elektroinstallation. Viele Probleme, die später als „das Smart Home spinnt“ auffallen, haben ihre Ursache genau hier.

Keine Angst, Du musst kein Netzwerkprofi werden. Mit den folgenden Punkten bist Du gut vorbereitet.

Das Heimnetz: Basis für alles

Zentrale per Kabel anschließen

Wie im Serienartikel Smart Home Zentrale (1/4) beschrieben, ist die Zentrale das Herzstück Deines Systems. Sie sollte deshalb möglichst zuverlässig erreichbar sein. Mein Rat: Schließ sie per Netzwerkkabel direkt an den Router oder an einen Switch an. Auch die Hersteller sehen das so – Home Assistant führt bei den meisten Installationswegen eine Ethernet-Verbindung als Voraussetzung auf.

Für den Standort gilt: zentral in der Wohnung, nicht im hintersten Kellereck. Die Zentrale (bzw. ihr Funk-Stick oder Access Point) muss Deine Funkgeräte erreichen können. Ein Netzwerkkabel zum richtigen Ort ist darum oft die beste erste Investition.

IP-Adressen im Griff behalten

Dein Router vergibt jedem Gerät eine IP-Adresse. Für die Zentrale ist es praktisch, wenn diese Adresse immer gleich bleibt. Die meisten Router bieten dafür eine Option wie „diesem Gerät immer die gleiche IP-Adresse zuweisen“. Notiere Dir die Adresse in Deiner Smart-Home-Dokumentation – Du wirst sie öfter brauchen, als Du denkst.

IPv6 und Multicast nicht abschalten

Wenn Du neuere Matter-Geräte nutzen möchtest, solltest Du eine Eigenheit kennen: Matter ist auf lokales IPv6 und mDNS (Multicast) im Heimnetz angewiesen. Laut Dokumentation von Home Assistant brauchst Du dafür keinen IPv6-Internetanschluss, aber IPv6 im lokalen Netz muss aktiv sein. Router-Funktionen, die Multicast „optimieren“ oder filtern, können die Gerätesuche stören. Die Empfehlung dort lautet, das Netzwerk möglichst einfach und flach zu halten. Mehr zu Matter erfährst Du in Teil 4 über Funkstandards.

WLAN: 2,4 GHz verdient Aufmerksamkeit

Viele Smart-Home-Geräte funken im 2,4-GHz-Band – WLAN-Steckdosen, aber auch Zigbee- und Thread-Geräte. Bluetooth nutzt ebenfalls diesen Bereich. Damit sich alle vertragen, helfen ein paar einfache Regeln:

  • 2,4 GHz eingeschaltet lassen: Viele günstige WLAN-Geräte können nur 2,4 GHz. Wenn Dein Router beide Bänder unter einem Namen anbietet, klappt die Einrichtung meist trotzdem. Falls nicht, hilft vorübergehend ein eigener Name für das 2,4-GHz-Netz.
  • Feste WLAN-Kanäle prüfen: Home Assistant empfiehlt bei Zigbee-Störungen, zuerst einen festen WLAN-Kanal am Router einzustellen, bevor man den Zigbee-Kanal ändert.
  • Abstand halten: Funk-Sticks gehören nicht direkt neben den Router oder an einen USB-3-Port. Ein abgeschirmtes USB-Verlängerungskabel wird ausdrücklich empfohlen.
  • Abdeckung prüfen: Geh mit dem Smartphone an die geplanten Gerätestandorte. Ist das WLAN dort schwach, ist ein WLAN-Gerät dort keine gute Idee.

Den Router absichern

Dein Router ist die Tür zwischen Deinem Zuhause und dem Internet. Das BSI gibt dazu klare Empfehlungen, die ich Dir hier zusammenfasse:

  1. Eigenes Passwort für die Router-Oberfläche: Standardpasswörter ändern, ein langes, individuelles Passwort wählen.
  2. Starke WLAN-Verschlüsselung: WPA2 oder WPA3 verwenden. Für den WLAN-Schlüssel empfiehlt das BSI mindestens 20 Zeichen.
  3. Firmware aktuell halten: Automatische Updates einschalten, wenn der Router das anbietet.
  4. UPnP deaktivieren: Damit Geräte nicht unkontrolliert Ports nach außen öffnen.
  5. Fernzugriff nur bei Bedarf: Laut BSI solltest Du Dein Smart Home nur mit dem Internet verbinden, wenn ein Fernzugriff wirklich nötig ist – und dann am besten per VPN.
  6. Nicht benötigte Dienste abschalten: Was Du nicht nutzt, kann auch nicht angegriffen werden.

Eigenes Netz für smarte Geräte?

Das BSI empfiehlt, IoT-Geräte möglichst in einem eigenen Netz, etwa einem Gäste-WLAN, zu betreiben. Das ist eine gute Idee für Geräte, die nur mit ihrer Hersteller-Cloud sprechen, zum Beispiel Saugroboter oder smarte Türklingeln. Aber Vorsicht: Geräte, die Deine Zentrale im Heimnetz direkt erreichen muss, gehören nicht ins abgeschottete Gästenetz. Für Matter weist Home Assistant zudem darauf hin, dass WLAN-Matter-Geräte und Thread-Border-Router im selben Netzsegment wie die Zentrale liegen sollten.

Strom und Elektroinstallation

Was ohne Elektriker geht

Ein großer Teil der Smart-Home-Technik kommt ganz ohne Eingriff in die Hausinstallation aus:

  • batteriebetriebene Sensoren (Tür-/Fensterkontakte, Temperatur- und Feuchtesensoren, Wassermelder),
  • Heizkörperthermostate, die einfach auf das Ventil geschraubt werden,
  • Zwischenstecker für die Steckdose,
  • smarte Leuchtmittel und Funk-Wandtaster zum Kleben.

Das ist ideal für den Einstieg und für Mietwohnungen.

Unterputz-Aktoren

Soll der vorhandene Lichtschalter smart werden, kommen Unterputz-Aktoren ins Spiel. Sie sitzen in der Schalterdose hinter dem Schalter oder ersetzen ihn. Prüfe dabei vorab:

  • Platz in der Dose: Aktoren brauchen Tiefe. Bei flachen Dosen wird es eng; tiefe Dosen (Elektronikdosen) schaffen Abhilfe.
  • Neutralleiter: Viele Aktoren benötigen einen Neutralleiter in der Schalterdose. Ob er vorhanden ist, kann nur eine Fachkraft verlässlich feststellen. Im Datenblatt des Aktors steht, ob er nötig ist.
  • Last: Passt der Aktor zur angeschlossenen Leuchte (zum Beispiel bei Dimmern und LED-Lampen)?

Stromausfall mitdenken

Überlege Dir, was passiert, wenn der Strom kurz weg ist: Startet die Zentrale von selbst wieder? Gehen Lampen nach dem Stromausfall an oder aus? Bei vielen Aktoren lässt sich das Verhalten einstellen. Eine kleine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) für Router und Zentrale kann sinnvoll sein, wenn Dir ein durchgehender Betrieb wichtig ist. Das Thema Ausfallsicherheit vertiefen wir in Teil 8 des Lernpfads.

Datenschutz-Grundsätze fürs Smart Home

Ein Smart Home weiß viel über Dich: wann Du zu Hause bist, wann Du schläfst, wann die Fenster offen sind. Darum lohnt es sich, von Anfang an ein paar Grundsätze festzulegen:

  • Lokal vor Cloud: Wo möglich, Geräte und Zentralen wählen, die auch ohne Internet funktionieren. Das BSI weist darauf hin, dass Zeitpläne und Szenarien oft auch ohne Internetanbindung laufen.
  • Nur sammeln, was Du brauchst: Überlege bei jedem Gerät, welche Sensoren es hat und welche Daten es aufzeichnet. Kameras und Mikrofone verdienen besondere Aufmerksamkeit.
  • Wissen, wo Daten liegen: Bei Cloud-Diensten lohnt ein Blick in die Datenschutzhinweise: Wo werden Daten gespeichert, werden sie weitergegeben?
  • Mitbewohner und Gäste respektieren: Kameras und Präsenzerkennung betreffen alle, die im Haus sind. Sprich offen darüber.
  • Zugänge schützen: Für jedes Konto ein eigenes Passwort, wo möglich Zwei-Faktor-Authentisierung.

Checkliste: Ist Dein Zuhause bereit?

  • Ich habe einen zentralen Standort für die Zentrale mit Netzwerkkabel und Steckdose.
  • Die Zentrale bekommt vom Router immer dieselbe IP-Adresse.
  • Das 2,4-GHz-WLAN ist aktiv und an den geplanten Gerätestandorten ausreichend stark.
  • IPv6 im Heimnetz ist nicht abgeschaltet (wichtig für Matter).
  • Das Router-Passwort ist geändert, die Firmware aktuell, UPnP deaktiviert.
  • Ich weiß, ob und wie ich von unterwegs zugreifen will (am besten per VPN).
  • Reine Cloud-Geräte kommen ins Gäste-WLAN, lokal gesteuerte Geräte ins Heimnetz.
  • Für Unterputz-Aktoren habe ich Dosentiefe und Neutralleiter von einer Fachkraft prüfen lassen.
  • Ich habe meine Datenschutz-Grundsätze für Kameras, Mikrofone und Cloud-Dienste festgelegt.

Wie geht es weiter?

Dein Zuhause ist vorbereitet. Jetzt kommt die wichtigste Entscheidung im ganzen Projekt: Welche Zentrale passt zu Dir? Home Assistant, Homematic IP oder etwas anderes? Das klären wir in Teil 3: Die richtige Smart-Home-Zentrale wählen. Zurück zur Planung geht es mit Teil 1, Deinen persönlichen Weg findest Du im Konfigurator.