Ein Smart Home wird erst dann wirklich „smart“, wenn es Dir Arbeit abnimmt: Die Heizung regelt herunter, sobald Du lüftest, das Licht im Flur geht abends von allein an, und Du bekommst eine Nachricht, wenn ein Fenster offen ist und Du das Haus verlässt. All das sind Automationen. In diesem Teil des Lernpfads lernst Du, wie Automationen in Home Assistant aufgebaut sind, wann Du besser ein Skript oder eine Szene nimmst und welche Fallstricke Du von Anfang an vermeiden solltest.

Das Grundprinzip: Auslöser, Bedingung, Aktion

Jede Automation in Home Assistant besteht aus drei Bausteinen. Die offizielle Dokumentation beschreibt sie so:

BausteinWas er machtBeispiel
Auslöser (Trigger)Startet die Automation, wenn etwas Bestimmtes passiertSonnenuntergang, eine Tür öffnet sich, ein Taster wird gedrückt
Bedingung (Condition)Prüft, ob in diesem Moment etwas zutrifft – optionalEs ist jemand zu Hause, es ist nach 18 Uhr
Aktion (Action)Lässt Home Assistant etwas tunLicht einschalten, Szene aktivieren, Nachricht senden

Ein Satz hilft beim Planen: „Wenn [Auslöser] passiert und [Bedingung] zutrifft, dann tue [Aktion].“ Das Beispiel aus der Doku lautet sinngemäß: Wenn Paulus nach Hause kommt und es nach Sonnenuntergang ist, schalte das Licht im Wohnzimmer ein. Trifft eine Bedingung nicht zu, werden die nachfolgenden Aktionen nicht ausgeführt.

Wichtige Auslöser im Überblick

  • Zustand (state): Ein Gerät ändert seinen Zustand, etwa ein Fensterkontakt von „geschlossen“ auf „offen“. Mit der Option for legst Du fest, wie lange der neue Zustand unverändert anhalten muss, bevor die Automation startet.
  • Grenzwert (numeric_state): Ein Messwert über- oder unterschreitet eine Schwelle, zum Beispiel die Luftfeuchte im Bad.
  • Zeit (time) und Zeitmuster (time_pattern): zu einer festen Uhrzeit oder in regelmäßigen Abständen.
  • Sonne (sun): Sonnenauf- und -untergang – deshalb ist der Standort aus der Ersteinrichtung so wichtig.
  • Zone (zone): Eine Person betritt oder verlässt einen Bereich, etwa „Zuhause“.

Automation, Skript oder Szene?

Home Assistant kennt drei verwandte Werkzeuge. Am Anfang verwechselt man sie leicht:

  • Automation: startet von allein, sobald ein Auslöser eintritt.
  • Skript: laut Doku „eine gespeicherte Liste von Schritten, die läuft, wenn Du sie startest“. Ein Skript hat keinen Auslöser. Du startest es per Knopf im Dashboard, per Sprachbefehl oder aus einer Automation heraus. Skripte eignen sich für Abläufe, die Du an mehreren Stellen brauchst.
  • Szene: speichert, welchen Zustand bestimmte Geräte haben sollen – etwa „Filmabend“: Deckenlicht aus, Stehlampe auf 30 Prozent, Rollladen zu. Eine Szene hat keinen Ein- oder Aus-Zustand. Aktivierst Du sie, setzt sie die Geräte; einen Rückgängig-Knopf gibt es nicht. Willst Du zurück, aktivierst Du eine andere Szene oder speicherst vorher den aktuellen Zustand mit der Aktion „Create scene“.

Alle drei findest Du unter Einstellungen > Automationen & Szenen. Eine neue Automation legst Du dort unten rechts über Create automation > Create new automation an.

Schritt für Schritt: Deine erste Automation

Als Beispiel bauen wir eine Automation, die Dich benachrichtigt, wenn ein Fenster länger als zehn Minuten offen steht.

  1. Editor öffnen: Einstellungen > Automationen & Szenen, dann Create automation > Create new automation.
  2. Auslöser hinzufügen: Wähle einen Zustandsauslöser für Deinen Fensterkontakt, als Zielzustand „offen“ und als Dauer zehn Minuten.
  3. Bedingung ergänzen (optional): etwa, dass die Außentemperatur unter einem bestimmten Wert liegt – im Sommer brauchst Du die Meldung vermutlich nicht.
  4. Aktion festlegen: Sende eine Benachrichtigung an Dein Smartphone (z. B. über die Home-Assistant-App).
  5. Speichern und benennen: Gib der Automation einen sprechenden Namen, etwa „Fenster Schlafzimmer zu lange offen“.
  6. Testen: Öffne das Fenster und warte. Klappt etwas nicht, hilft Dir die Ablaufverfolgung (siehe unten).

Im YAML-Format, das Home Assistant im Hintergrund speichert, sieht der Auslöser so aus:

triggers:
  - trigger: state
    entity_id: binary_sensor.fenster_schlafzimmer
    from: "off"
    to: "on"
    for: "00:10:00"

Die Angabe from: "off" sorgt dafür, dass die Automation nur beim echten Wechsel von „geschlossen“ nach „offen“ reagiert und nicht, wenn das Gerät zum Beispiel nach einem Verbindungsabbruch wieder einen Wert meldet. Die Bezeichnung binary_sensor.fenster_schlafzimmer ist ein Platzhalter – Deine Geräte heißen anders.

Praxisbeispiele zum Nachbauen

Heizung: Fenster auf, Heizung runter

Auslöser: Fensterkontakt wechselt auf „offen“ und bleibt es zwei Minuten. Aktion: Heizkörperthermostat im selben Raum auf eine niedrige Temperatur stellen. Eine zweite Automation (oder dieselbe mit einem weiteren Auslöser) stellt beim Schließen wieder auf den vorherigen Wert bzw. das Heizprofil zurück.

Licht: Flur abends bei Bewegung

Auslöser: Bewegungsmelder meldet Bewegung. Bedingung: Die Sonne ist untergegangen. Aktion: Flurlicht für eine bestimmte Zeit einschalten und danach wieder aus. Hier ist der Modus der Automation wichtig (siehe unten): Mit „restart“ beginnt die Wartezeit bei jeder neuen Bewegung von vorne.

Fenster: Kontrolle beim Verlassen des Hauses

Auslöser: Die letzte Person verlässt die Zone „Zuhause“. Bedingung: Mindestens ein Fensterkontakt meldet „offen“. Aktion: Nachricht aufs Smartphone mit dem Hinweis, welches Fenster offen ist.

Szene: Gute Nacht

Lege eine Szene „Gute Nacht“ an (alle Lichter aus, Rollläden zu, Heizung auf Nachtwert) und starte sie per Taster neben dem Bett oder um eine feste Uhrzeit per Automation.

Die vier Ausführungsmodi

Was passiert, wenn eine Automation erneut ausgelöst wird, während sie noch läuft? Das legst Du mit dem Modus fest:

ModusVerhalten laut DokuTypischer Einsatz
single (Standard)Startet keinen neuen Durchlauf, solange einer läuft, und schreibt eine Warnung ins ProtokollBenachrichtigungen
restartBricht den laufenden Durchlauf ab – auch eine laufende Wartezeit – und startet neuLicht mit Bewegungsmelder
queuedStartet den neuen Durchlauf, wenn alle vorherigen fertig sindAbläufe, die nacheinander erfolgen müssen
parallelStartet sofort einen unabhängigen weiteren DurchlaufGleichartige Ereignisse mehrerer Geräte

Bei „queued“ und „parallel“ begrenzt die Einstellung max die Zahl der Durchläufe; Standard ist 10.

Blueprints: fertige Vorlagen nutzen

Blueprints sind Automations-Vorlagen, die andere erstellt haben – Du wählst nur noch Deine Geräte aus. Du findest sie unter Einstellungen > Automationen & Szenen > Blueprints. Über Import blueprint trägst Du die Adresse ein, prüfst die Vorschau und importierst.

Typische Fallstricke

  • Endlosschleifen: Automation A schaltet ein Gerät, das Automation B auslöst, die wiederum A auslöst. Plane Abhängigkeiten deshalb vorher auf Papier.
  • Zu viele Kleinst-Automationen: Lieber eine gut benannte Automation mit mehreren Auslösern als zehn fast gleiche.
  • Platzhalter-Zustände: Nach einem Neustart oder Funkproblem melden Geräte kurz „nicht verfügbar“. Mit from im Auslöser verhinderst Du Fehlalarme.
  • Zeit- statt Ereignislogik: „Jeden Tag um 7 Uhr Heizung an“ funktioniert, aber besser ist oft ein Heizprofil direkt am Thermostat oder in der Homematic-Zentrale.
  • Kein Rückfallweg: Jede wichtige Funktion sollte sich auch manuell bedienen lassen – Taster, Thermostat am Gerät, App.

Fehlersuche mit der Ablaufverfolgung

Läuft eine Automation nicht wie geplant, öffne zuerst ihre Ablaufverfolgung (Trace). Die Doku empfiehlt genau das: Die meisten Probleme sind dort sichtbar. Jeder Durchlauf ist mit seinem Ergebnis markiert, etwa „Stopped because a condition failed“. Klickst Du im Ablaufdiagramm auf eine Bedingung oder Aktion, siehst Du deren Ergebnis. Über Run actions kannst Du die Aktionen auch direkt ausführen – Auslöser und Bedingungen werden dabei übersprungen.

Wie geht es weiter?

Mit ein paar gut durchdachten Automationen nimmt Dir Dein Smart Home bereits spürbar Arbeit ab. Damit das dauerhaft so bleibt, brauchst Du Updates, Backups und frische Batterien – darum geht es in Teil 8: Wartung und Backup. Ideen, welche Räume Du zuerst automatisierst, findest Du in meinem Beitrag Deine Smart Home Planung.