Im dritten Teil des Lernpfads hast Du Dich für eine Zentrale entschieden. Wenn Deine Wahl auf Home Assistant gefallen ist, geht es jetzt ans Eingemachte: Du suchst die passende Hardware aus, installierst das System, richtest Dein Benutzerkonto ein und sicherst die Zentrale von Anfang an sauber ab. Dieser Beitrag führt Dich Schritt für Schritt durch alles, was Du für einen stabilen Start brauchst.
Welche Installationsart passt zu Dir?
Home Assistant gibt es in mehreren Varianten. Die Dokumentation von home-assistant.io empfiehlt für die meisten Nutzer das Home Assistant Operating System (kurz HA OS). Dabei läuft Home Assistant als komplettes, eigenes Betriebssystem auf einem Gerät – inklusive automatischer Backups und der Möglichkeit, Zusatzprogramme („Apps“) zu installieren.
| Installationsart | Für wen? | Wichtige Einschränkungen |
|---|---|---|
| Home Assistant OS | Die meisten Einsteiger und Fortgeschrittenen | Braucht ein eigenes Gerät oder eine eigene virtuelle Maschine |
| Home Assistant Container | Wer bereits Docker betreibt und alles selbst verwalten möchte | Keine Apps, Updates musst Du selbst erledigen, Thread und Z-Wave laut Doku nicht ohne Weiteres nutzbar |
| Core und Supervised | Nicht mehr empfohlen | Seit Version 2025.12 offiziell nicht mehr unterstützt, ebenso 32-Bit-Systeme |
Die beiden Installationsarten „Core“ und „Supervised“ hat das Home-Assistant-Projekt im Mai 2025 abgekündigt; der Support endete mit Version 2025.12. Gleiches gilt für 32-Bit-Systeme (i386, armhf, armv7). Läuft bei Dir schon eine ältere Installation, findest Du die Installationsart unter Einstellungen > System > Reparaturen, dort im Drei-Punkte-Menü unter Systeminformationen. Steht dort „Home Assistant OS“ oder „Container“ und als Architektur „aarch64“ oder „x86_64“, bist Du nicht betroffen.
Die passende Hardware
Für Home Assistant OS nennt die offizielle Installationsseite mehrere Wege. Welcher der richtige ist, hängt davon ab, ob Du lieber ein fertiges Gerät auspackst oder vorhandene Hardware weiterverwenden möchtest.
Fertig vorinstalliert: Home Assistant Green
Das Home-Assistant-Projekt bezeichnet „Home Assistant Green“ als den einfachsten Einstieg. Das Gerät kommt mit vorinstalliertem Home Assistant OS – Du schließt Netzwerk und Strom an und startest direkt mit der Ersteinrichtung. Daneben gibt es „Home Assistant Yellow“ für alle, die ihre Zentrale selbst zusammenbauen möchten.
Raspberry Pi
Hast Du schon einen Raspberry Pi oder möchtest einen nutzen, empfiehlt die Doku einen Raspberry Pi 5 oder 4 mit mindestens 2 GB Arbeitsspeicher. Dazu brauchst Du:
- ein passendes Netzteil – die USB-Anschlüsse Deines Computers liefern laut Doku nicht genug Strom und dürfen nicht verwendet werden,
- eine microSD-Karte mit mindestens 32 GB, empfohlen ist eine Karte der Anwendungsklasse 2 (Kennzeichnung „A2“),
- einen SD-Kartenleser (in vielen Notebooks eingebaut oder als USB-Adapter),
- ein Netzwerkkabel – für die Installation ist eine kabelgebundene Verbindung vorgesehen.
Wie wichtig eine gute SD-Karte und ein Backup davon sind, habe ich schon in meinem Beitrag zum SD-Karten-Backup für den Raspberry Pi beschrieben. Bei Home Assistant übernimmt die eingebaute Backup-Funktion diese Aufgabe – dazu mehr in Teil 8 des Lernpfads.
Mini-PC, Odroid oder virtuelle Maschine
Als leistungsstärkere Alternative zum Raspberry Pi nennt die Doku Odroid-Platinen. Auch ein ausgedienter x86-64-Rechner (z. B. ein Mini-PC) eignet sich; hier musst Du allerdings im BIOS einige Einstellungen vornehmen. Betreibst Du bereits einen Server mit Virtualisierung, kannst Du Home Assistant OS auch als virtuelle Maschine laufen lassen.
Schritt für Schritt: Home Assistant OS auf dem Raspberry Pi installieren
Die folgende Schrittfolge entspricht der offiziellen Anleitung für den Raspberry Pi. Für andere Hardware findest Du auf home-assistant.io unter „Installation“ jeweils eine eigene Anleitung.
- Raspberry Pi Imager installieren: Lade das Programm von der Webseite der Raspberry Pi Foundation (raspberrypi.com/software) herunter und installiere es auf Deinem Computer.
- Betriebssystem auswählen: Öffne den Imager und wähle bei OS den Eintrag Other specific-purpose OS > Home automation > Home Assistant.
- Passende Variante wählen: Nimm die Home-Assistant-OS-Version, die zu Deinem Modell passt (RPi 4 oder RPi 5).
- SD-Karte auswählen: Stecke die microSD-Karte ein und wähle sie als Speicher aus.
- Schreiben: Klicke auf Next und dann auf Write. Warte, bis der Vorgang abgeschlossen ist, klicke auf Finish und wirf die Karte aus.
- Raspberry Pi starten: Stecke die Karte in den Raspberry Pi, verbinde ihn per Netzwerkkabel mit Deinem Router (im selben Netz wie Dein Computer, mit Internetzugang) und schließe zuletzt das Netzteil an.
- Oberfläche aufrufen: Gib im Browser homeassistant.local ein. Öffnet sich nichts, versuche homeassistant.local:8123 oder die IP-Adresse des Raspberry Pi, die Du in Deinem Router findest.
Die Ersteinrichtung (Onboarding)
Beim ersten Aufruf kann kurz die Seite „Preparing Home Assistant“ erscheinen. Danach führt Dich Home Assistant durch die Ersteinrichtung:
- Neu starten oder wiederherstellen: Du wählst, ob Du ein neues Smart Home anlegst oder unter „Or restore“ ein vorhandenes Backup hochlädst bzw. aus Home Assistant Cloud wiederherstellst. Für den ersten Start legst Du ein neues System an.
- Besitzerkonto anlegen: Gib Namen, Benutzernamen und ein Passwort ein. Die Doku empfiehlt einen Benutzernamen in Kleinbuchstaben ohne Leerzeichen.
- Standort festlegen: Suche Deine Adresse oder lass sie automatisch ermitteln. Der Standort ist später wichtig, etwa für Sonnenauf- und -untergang in Automationen.
- Datenfreigabe wählen: Auf der Seite „Help us help you“ entscheidest Du, ob Du anonymisierte Nutzungsdaten teilst. Standardmäßig ist alles ausgeschaltet – Du kannst es also ohne Weiteres so lassen.
- Gefundene Geräte: Zum Schluss zeigt Home Assistant entweder Geräte an, die es bereits in Deinem Netzwerk gefunden hat, oder meldet „All set!“. Mit Finish landest Du im Standard-Dashboard.
Integrationen, Apps und Community-Erweiterungen
Damit Home Assistant Deine Geräte steuern kann, brauchst Du für jedes System eine Integration. Integrationen fügst Du unter Einstellungen > Geräte & Dienste hinzu. Viele Geräte im Heimnetz schlägt Home Assistant schon bei der Ersteinrichtung vor.
Apps (früher „Add-ons“)
Apps sind zusätzliche Programme, die neben Home Assistant auf Deiner Hardware laufen – zum Beispiel eine Homematic-Zentrale, ein Datei-Editor oder ein Terminal. Laut Doku stehen Apps nur unter Home Assistant OS zur Verfügung. Du findest sie unter Einstellungen > Apps und installierst sie über Install app. Ältere Anleitungen sprechen noch von „Add-ons“ – gemeint ist dasselbe.
HACS und der neue Marketplace
Neben den offiziellen Integrationen gibt es zahlreiche Erweiterungen aus der Community. Bisher wurden sie meist über den „Home Assistant Community Store“ (HACS) installiert. Laut HACS-Dokumentation ist HACS ab Home Assistant 2026.11 als Marketplace direkt in Home Assistant enthalten und unter Einstellungen > Marketplace zu finden; der Wechsel erfolgt beim Update automatisch. Bis einschließlich Version 2026.10 nutzt Du weiterhin HACS.
Sicherheit: Das erledigst Du am ersten Tag
Deine Zentrale steuert später Heizung, Licht und vielleicht auch Türschlösser. Deshalb lohnt es sich, die Grundlagen der Sicherheit gleich zu Beginn zu erledigen. Die Seite „Securing“ auf home-assistant.io nennt dafür die wichtigsten Punkte:
- Mehr-Faktor-Anmeldung einschalten: Zusätzlich zum Passwort fragt Home Assistant dann einen zweiten Faktor ab.
- Fernzugriff bewusst wählen: Die Doku nennt Home Assistant Cloud (Nabu Casa) als einfachste und sicherste Option, weil weder Portweiterleitung noch Zertifikate nötig sind. Alternativ geht der Zugriff über VPN oder SSH-Tunnel. Stelle Home Assistant nicht ungeschützt direkt ins Internet.
- Regelmäßig aktualisieren: Die Doku empfiehlt, das System mit jeder monatlichen Version aktuell zu halten.
- Geheimnisse richtig behandeln: Zugangsdaten in der Datei
secrets.yamlsind laut Doku nicht verschlüsselt. Sichere sie mit und gib Deine Konfiguration nie ungeprüft weiter. - Automatische Backups einrichten: Unter Einstellungen > System > Backups richtest Du sie mit „Set up backups“ ein und lädst dabei das Notfall-Kit mit dem Verschlüsselungsschlüssel herunter.
Den Fernzugriff über VPN kennst Du vielleicht schon aus meinem Beitrag zur Smart Home Zentrale: Du meldest Dich unterwegs zuerst sicher in Deinem Heimnetz an und greifst dann ganz normal auf die Zentrale zu. Dieses Prinzip gilt bis heute.
Checkliste für Deinen Start
- Installationsart gewählt (empfohlen: Home Assistant OS)
- Hardware bereit: Gerät, ausreichendes Netzteil, mindestens 32-GB-Karte (A2) oder SSD, Netzwerkkabel
- Home Assistant OS installiert und unter homeassistant.local erreichbar
- Besitzerkonto angelegt, Zugangsdaten sicher verwahrt
- Standort eingetragen, Datenfreigabe bewusst entschieden
- Mehr-Faktor-Anmeldung aktiv
- Automatische Backups eingerichtet, Notfall-Kit gespeichert
- Fernzugriff nur über einen sicheren Weg (Home Assistant Cloud oder VPN)
Wie geht es weiter?
Deine Zentrale läuft. Im nächsten Schritt verbindest Du sie mit Deinen Geräten. Wenn Du Homematic IP nutzt oder nutzen möchtest, erfährst Du in Teil 6: Homematic IP mit Home Assistant, welche Zentrale mit welcher Integration funktioniert und wo die Grenzen liegen. Danach geht es in Teil 7 um Deine ersten Automationen.
Du bist neu im Lernpfad? Dann starte mit Teil 1: Smart Home planen oder lies zuerst die Grundlagen der Serie Mit einem kleinen Smart Home System anfangen.

